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Heimspieler

Heilig’s Blechle: TIPP-KICK, das Tischfußballspiel mit den bemalten Zinkfiguren, wurde im Badischen erfunden und hat heute selbst in Asien Fans.

Diesen Sieg genoß Franz Beckenbauer, der Fußball-Kaiser, in vollen Zügen. Ende März forderte er Bobby Charlton, WM-Endspielgegner von 1966 zur Revanche heraus. Beckenbauer konterte die Pässe des Briten geschickt. Und konnte ein 2:0 für Deutschland herausspielen. Eine gelungene Wiedergutmachung für das Trauma des umstrittenen Wembley-Tores. Als Spielstätte hatten sich die Senioren-Kicker allerdings nicht ein Stadion, sondern eine Tipp-Kick-Platte erkoren. Über die Partie frohlockte dann auch besonders die Firma Mieg.

Das Familienunternehmen aus dem badischen Villingen-Schwenningen stellt seit über 80 Jahren das Tischfußballspiel TIPP-KICK her.

Das Idee, Fußball auch am Küchentisch zu spielen, hatte allerdings ein anderer: Carl Mayer, Stuttgarter Apothekenmöbelfabrikant. Mayer bastelte zwei Blechfiguren, deren rechtes Bein auf Knopfdruck reagierte, stellte dazu kleine Tore auf und ersann als Ball einen schwarz-weiß gemusterten, zwölfeckigen Würfel. Die Erfindung nannte er TIPP-KICK. Mayer ahnte nicht, dass er einen Klassiker ersonnen hatte. Sonst hätte er wohl kaum 1924 die Lizenz an Edwin Mieg vergeben. Mieg, seines Zeichens Exportkaufmann, wollte zu dieser Zeit eigentlich etwas ganz anderes: weg aus Deutschland.
Die Koffer waren bereits gepackt. Ein Job in der indischen Niederlassung der Uhrenfirma Junghans winkte. Doch die Stelle bei Junghans in Indien wurde mit einem Familienmitglied besetzt, Mieg blieb in Deutschland. Er kündigte bei Junghans, erwarb die Lizenz von Mayer und begann die Fußball-Simulation zu vermarkten.

Heute lenken die Enkel des Unternehmensgründers die Geschicke der Zinkfiguren. Konservativ sein ist Trumpf. Die letzte wirkliche Innovation ist bereits über 50 Jahre alt. 1954 wurde der fallende Torwart eingeführt. Über fünf Millionen Spiele wurden in den 80 Jahren insgesamt verkauft. Rund 60 000 Spiele gehen pro Jahr bis nach Asien über die Ladentheken. Die WM-Euphorie heizte allerdings den Tischkickern kräftig ein.

Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres konnten 200 000 Spiele absetzen. Nun drücken die Miegs die Daumen, dass Deutschland nicht bereits in der Vorrunde ausscheidet.
In so einem Fall könnte dann selbst der Kaiser das Weihnachtsgeschäft nicht mehr retten.